Abgeordnetenbrief Februar 2018

Isabell Zacharias, MdL

08. Februar 2018

Hirnforscher haben festgestellt, dass wir nicht die Welt sehen, sondern ein Fantasiebild, das sich mit ihr deckt. Oder auch nicht. Misstrauen gegenüber der eigenen Wahrnehmung sei angebracht. Sie kennen doch den unsichtbaren Gorilla? Kritisches Sehen lässt sich auch anders üben, zum Beispiel bei einem Filmwettbewerb. Ob jemand eine Frau auf einem Plakat als sexuelles Objekt sieht, dürfte allerdings nicht zuletzt von der Absicht dessen abhängen, der da wirbt. Nicht immer liegt die Wahrheit schließlich allein im Auge des Betrachters. Die U9 und die Tram durch den Englischen Garten müssen erst noch gebaut werden, aber als Fantasiebild sehe ich sie schon. Und der Lidl-Professor? Ich fürchte, den gibt es wirklich. Sogar in zwanzigfacher Ausfertigung. Was für eine Welt!

Inhalt:

  • Professor Lidl
  • Film - Film - Film
  • Weg mit sexistischer Werbung!
  • Mehr Schiene für alle
  • Unterstützenswert: Freie Bühne München
  • Termine

Professor Lidl

An staatlichen Hochschulen sind 1,3 Prozent der Professuren von Unternehmen und Stiftungen finanziert, lässt der Stifterverband wissen. Kürzlich hat die Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz der TU München 20 Professuren geschenkt. Professuren auf Lebenszeit. Wo das Problem ist? Ist es denn nicht prima, wenn Hochschulen mehr Geld für Forschung haben? Ich sehe das anders, und Konstantin Korn von Hochschulwatch auch. Mit solchen Professuren ist die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre in Gefahr. Bildung ist eine Aufgabe des Staates, nicht der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft nur Professuren stiften dürfte, die nichts mit ihrem Geschäft zu tun haben, sähe ich das entspannter. Also Nestlé zum Beispiel eine Professur für Elektromobilität und BWM eine für Säuglingsernährung. Aber so?

Film - Film - Film

Zum vierten Mal schreibt die SPD-Landtagsfraktion zusammen mit DOK.education ihren Dokumentar-filmwettbewerb aus. DOK.education ist das Kinder- und Jugendprogramm des internationalen Doku-mentarfilmfestivals München, der Wettbewerb richtet sich an 12- bis 24-Jährige. Workshops, in denen sie lernen können, wie man einen guten Dokumentarfilm dreht, gibt es inzwischen in vier Städten, nämlich in Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg. Das Motto DAS ANDERE SEHEN bedeutet zweierlei: das Andere sehen, also sehen, was anders ist. Und das andere Sehen, also mit anderen Augen sehen. Ich darf die Preise am 5. Mai im Landtag überreichen. Hier sind Einzelheiten zum Wettbewerb, Bewerbungsschluss ist der 20. März. Bitte an junge Filmerinnen und Filmer weiterleiten!

Weg mit sexistischer Werbung!

Beinahe hätte ich Zudringlichkeitsantrag geschrieben. Es war natürlich ein Dringlichkeitsantrag, den die SPD-Fraktion im Dezember 2017 ins Landtagsplenum einbrachte, aber irgendwie hatte er auch mit Zudringlichkeit zu tun. Die #MeToo-Debatte drohte sich in den üblichen Entlastungsschleifen zu verheddern: war ja nicht so gemeint, wo bleibt denn die Erotik, und überhaupt seien Frauen manchmal selber schuld - sollen sie sich doch wehren oder wenigstens anders anziehen. Ich finde, so geht man mit Frauen nicht um. Wir haben die Staatsregierung aufgefordert, sich auf Bundesebene für eine Verschärfung des Wettbewerbsrechts einzusetzen, damit wenigstens sexistische Werbung endlich verboten wird. Leider erfolglos. Die Landtagsmehrheit hat den Antrag abgelehnt.

Mehr Schiene für alle

Die U9 kommt. Die Münchner U-Bahnlinie von Schwabing nach Sendling tritt in die Planungsphase. Die rund sieben Kilometer lange Verbindung zwischen der Münchner Freiheit und der neuen Haltestelle Implerstraße/Poccistraße „kommt in ihrer Bedeutung einer neuen Nord-Süd-Stammstrecke gleich“, wie die Münchner SPD stolz schreibt. Der Stolz ist gerechtfertigt. München erstickt in Feinstaub und Stickoxiden, und wenn der ÖPNV nicht deutlich attraktiver wird, steigen Autofahrer nicht um. Ja, wären wir in Singapur! Singapur lässt seit Jahresbeginn keine zusätzlichen Privatautos mehr zu. Wer ein neues Auto haben will, muss erst sein altes verschrotten. Das würde sich bei uns niemand trauen. München braucht also die U9, so wie es die Tram durch den Englischen Garten und die zweite Stammstrecke braucht.

Unterstützenswert: Freie Bühne München

Die Freie Bühne München unterstützt inklusives Theater „mit dem Ziel der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“, wie es in der Satzung des Vereins heißt. Und auf der Website steht: „Schauspieler, Techniker, das Regieteam, mit und ohne Behinderung, sind Kollegen auf Augenhöhe, die gemeinsam professionell Theater machen.“ Ich freue mich, wenn Sie den Verein unterstützen. In der Rubrik „unterstützenswert“ werbe ich für Organisationen, in denen ich Mitglied bin. Bei allen Unterschieden haben sie eines gemeinsam: Hier engagieren sich Menschen ehrenamtlich für eine gute Sache. Ich unterstütze sie durch meinen Mitgliedsbeitrag und durch Werbung.

Termine

110. Ausgabe des Monatsbriefs

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