Abgeordnetenbrief Juni 2017

08. Juni 2017

Auf der Suche nach einem roten Faden für diesen Brief bin ich über Gerhard Schröders „Familie und Gedöns“ gestolpert. Die Formulierung hält man ihm heute noch vor, dabei war sie nicht mal böse gemeint. Ihm war einfach der lange Name „Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ nicht eingefallen. Etwas Paternalistisches hat es aber doch: Um Frauen muss man sich offenbar kümmern, ebenso wie um Kinder und alte Leute. Können Sie sich ein Ministerium für Männer vorstellen? Eben.

Immer noch auf der Suche nach dem roten Faden grüßt Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Weiblich, jung, verständlich
  • Campus Straubing
  • Queer in der Schule
  • Das bessere Bildungspaket
  • Familienwoche bei der SPD
  • Nachgehakt
  • Termine

Weiblich, jung, verständlich

Neu ist nicht nur die Vorsitzende. Die Bayern-SPD hat am 20. Mai die Hälfte des Präsidiums ausgetauscht. Es wurde jünger und weiblicher. War im bisherigen Vorstand nur ein Drittel der Mitglieder Frauen, ist es mit Natascha Kohnen, Marietta Eder und Johanna Uekermann nun immerhin die Hälfte. Das Durchschnittsalter der bayerischen SPD-Spitze ist am Wahltag auf einen Schlag um zehn Jahre gesunken. Natascha Kohnen versprach zudem einen neuen Politikstil, in bürgernaher verständlicher Sprache, wie sie der Bayerischen Staatszeitung sagte. Verständlich, dass ich mich darüber freue.

Campus Straubing

Im Wissenschaftszentrum Straubing haben gut 15 Jahre lang sechs bayerische Hochschulen zusammengearbeitet. Das klappte anfangs prima. Später immer weniger, zu unterschiedlich wurden die Interessen. Nun hat Straubing bald eine Uni oder jedenfalls ein Fakultät. Der Campus Straubing, Forschungszentrum für Biotechnologie und Nachhaltigkeit, gehört dann zur Technischen Universität München (TUM). Nach dem Gesetzentwurf der Staatsregierung hätten wissenschaftliche Mitarbeiter, Hoch-schullehrer und Studierende im Fakultätsrat jeweils eine Stimme weniger gehabt als vom Hochschulgesetz vorgegeben. Meinen Antrag, das zu korrigieren, hat der Wissenschaftsausschuss einstimmig angenommen.

Queer in der Schule

Wie geht es lesbischen, schwulen und transidenten Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern an bayerische Schulen? Was muss sich ändern, damit sie wirklich gleichberechtigt sind? Mein Fachgespräch im Landtag ergab: Die nach langem Gezerre endlich veröffentlichte Richtlinie zur Familien- und Sexualerziehung ist ein erster Schritt, aber eben auch nur einer. Nötig ist darüber hinaus mehr und besser strukturierte Beratung. Nötig sind Netzwerke, in denen man sich austauschen kann. Und das Wichtigste: Lehrerinnen und Lehrer müssen für das Thema sensibilisiert und qualifiziert werden.

Das bessere Bildungspaket

Nachdem das Bildungspaket der CSU doch sehr zu wünschen übrig lässt, haben wir ein neues geschnürt. Der Inhalt: Rechtsanspruch auf einen kostenfreien Ganztagsschulplatz; kostenfreier Schulweg für alle Schüler und Azubis; echte Lernmittelfreiheit; Abschaffung des „Grundschulabiturs“; Schulsozialarbeiter, Erzieher, Psychologen und Sonderpädagogen für alle Schulen; eine längere gemeinsame Schulzeit. Das kostet Geld, keine Frage. Gut angelegtes Geld. Bis auf den letzten Punkt: Hier braucht die Staatsregierung bloß über den eigenen Schatten zu springen.

Familienwoche bei der SPD

Eine ganze Woche lang hat sich die SPD mit der Familie befasst. Nicht mit der eigenen. Die kommt bei allen Politikern zu kurz. Stattdessen haben sich 24 SPD-Abgeordnete umgesehen: in Familienzentren, Mehrgenerationenhäusern, Jugendhilfeeinrichtungen, Mutter-Kind-Häusern und spezialisierten Kitas. Ich war zusammen mit unserer familien- und sozialpolitischen Sprecherin Doris Rauscher im St. Josefs-Heim. Im integrativen Haus für Kinder leben hier Kinder mit und ohne Behinderung zusammen. Auch mein Jüngster - was für ein Glück! Und was für ein Skandal, dass pädagogisches Personal auch deshalb fehlt, weil sich kaum noch jemand die hohen Münchner Mieten leisten kann.

Nachgehakt

Um die Lehre durch Berufspraxis aufzupeppen, berufen Hochschulen Honorarprofessoren. Diese sind Rechtsanwalt oder Künstler, Politiker oder Unternehmer. Und fast alle sind: Männer. Frauen werden selten berufen. Ich habe die Staatsregierung gefragt, wie hoch der Frauenanteil unter den Honorarprofessoren an bayerischen Hochschulen ist. Antwort aus dem Wissenschaftsministerium: Am 1.12.2015 gab es 191 Honorarprofessorinnen und -professoren, darunter 8 Frauen. Ein Frauenanteil von 4,2 Prozent. Im Bundesdurchschnitt sind es immerhin 10,4 Prozent, was natürlich noch immer schändlich wenig ist. Höchste Zeit, dass sich hier etwas ändert.

Termine

102. Ausgabe des Monatsbriefs

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