Abgeordnetenbrief September 2017

Isabell Zacharias, MdL

14. September 2017

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, schrieb Rilke und meinte den Herbst. Er hätte auch Studenten meinen können. Wer fürs Wintersemester noch kein Dach überm Kopf hat, wird sich warm anziehen müssen. Warm anziehen müssen sich auch männliche Akademiker, falls die Hochschulen meinen Vorschlag für Professorenstellen aufgreifen. Gäbe es das bedingungslose Grundeinkommen schon, ließen sich Handschuhe, Schal und Mütze immerhin problemlos finanzieren. Ein Schutz vor Diskriminierung im Pflegeheim wären sie natürlich nicht und auch kein Ersatz für einen intakten Taschenrechner. Verwirrend? Einfach weiterlesen!

Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Studierende: kein Dach überm Kopf
  • Professuren: den Männern die Hälfte
  • Altenpflege: Queer Care kann man lernen
  • Grundeinkommen: Wer arbeitet dann noch?
  • Nachgehakt
  • Termine

Studierende: kein Dach überm Kopf

In der Haut von Peter Endres möchte ich nicht stecken. Der Kanzler der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg muss wegen eines Tippfehlers in der Datenbank plötzlich 450 Erstsemes-ter mehr unterbringen als geplant. In der Haut der Erstsemester möchte ich erst recht nicht stecken. Sie brauchen ja nicht nur einen Sitzplatz im Seminar, sondern auch ein Zimmer. Ein Platz im Studentenwohnheim wäre da wie eine Sechs im Lotto. In Bayern gab es im Jahr 2016 gerade mal 40 Wohnheimplätze mehr als 2015, wo es nach den Plänen der Staatsregierung 1200 hätten sein sollen. Jetzt muss schleunigst gebaut werden. Nicht jeder braucht ein Appartement mit Küche und Dusche. In einer WG benutzt man die schließlich auch gemeinsam. Mehr Infos und unsere Anträge zum Wohnheimbau finden Sie hier.

Professuren: den Männern die Hälfte

Vielleicht muss man es wirklich einmal anders herum versuchen. Würde grundsätzlich nur die Hälfte der Professuren an Männer vergeben, bliebe die andere Hälfte den Frauen. An qualifizierten Frauen fehlt es nicht, das ist kein Geheimnis. Es studieren mehr Frauen als Männer, fast die Hälfte aller Promotionen schreibt eine Frau. Trotzdem ist nur ein Fünftel der Professoren an bayerischen Hochschulen weiblich. Das ist ein Armutszeugnis. Wenn die Hochschulen sich schon nicht mit einer Frauenquote anfreunden können, sollen sie eben eine 50-Prozent-Obergrenze für Männer einführen. Der Rest der Professorenstühle füllt sich dann automatisch – mit Frauen.

Altenpflege: Queer Care kann man lernen

Offiziell sind Lesben, Schwule und Transgender akzeptiert. Diskriminiert werden sie trotzdem. Besonders schwierig ist die Situation in Alten- und Pflegeheimen. Wo sich das Personal mittlerweile freut, wenn ein Bewohner eine neue Partnerin findet, gilt das nicht unbedingt für homosexuelle Beziehungen, wie uns eine Altenpflegerin geschrieben hat (siehe den Bericht in der Süddeutschen). Es ist daher dringend nötig, in die Lehrpläne für Pflegeberufe „Queer Care“ aufzunehmen, den Umgang mit alten Menschen, die nicht heterosexuell sind. Mehr Infos in der Pressemappe.

Grundeinkommen: Wer arbeitet dann noch?

Dann arbeitet doch keiner mehr. Spontane Reaktion, sobald vom bedingungslosen Grundeinkommen die Rede ist. Man selbst werde natürlich weiterarbeiten. Den lieben Nachbarn verorten 80 Prozent der Befragten hingegen auf dem Sofa, sobald er regelmäßig Geld vom Staat erhält. 1000 Euro pro Monat – einfach so? Hm. Aber abgesehen davon, dass sich schon heute niemand für den Rest des Monats faul aufs Sofa legt, sobald auf seinem Gehaltskonto die 1000-Euro-Grenze erreicht ist: Wer Miete, Strom und Essen bezahlen kann, braucht nicht mehr jeden miesen Job anzunehmen. Dieser Gewinn an persönlicher Freiheit könnte ein Argument sein. Seit der Diskussion in Freising kann ich dem Grundeinkommen womöglich doch etwas abgewinnen. Mal sehen ...

Nachgehakt

Am besten schenke ich unserem Wissenschaftsminister einen Taschenrechner. Ich hatte die Staatsregierung gefragt, wie es mit den Kapitalisierungserlösen an Hochschulen aussieht. Die entstehen, wenn eine frei gewordene Stelle nicht sofort wieder besetzt wird. Das Geld ist ja da und darf einstweilen für etwas anderes verwendet werden. Auch dafür übrigens, die Aufgaben irgendwie doch zu erledigen, die derjenige erledigt hätte, der auf der Stelle sitzen würde, wenn sie nicht gerade frei wäre ... Klingt verrückt und wird durch den Stellengehälter-Inanspruchnahmevermerk geregelt. Und der Rechner? Minister Spaenle hat so umfangreich antworten lassen, dass es uns noch nicht gelungen ist, alle Feinheiten seiner Antwort zu durchdringen. Kommt aber noch. Eines ist jetzt schon klar: Seine Leute haben sich irgendwo verrechnet. Da spendiere ich dem Minister doch gerne einen Taschenrechner.

Termine

105. Ausgabe des Monatsbriefs

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