Autisten werden in Bayern vernachlässigt!

Isabell Zacharias

14. August 2018

Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) haben es in Bayern schwer. Die wenigsten der Betroffenen sind erfasst und den zuständigen Kompetenzzentren fehlen die finanziellen und personellen Mittel für ein ausreichendes Beratungs-, Therapie- und Betreuungsangebot.

Isabell Zacharias, MdL, Priv.-Doz. Dr. med. Leonhard Schilbach (Geschäftsführender Oberarzt am Max-Planck-Institut für Psychiatrie) und Dorothea Heiser, M.A. (Initiatorin der MAS Selbsthilfegruppe für Erwachsene für München und Oberbayern) diskutierten am Freitag den Status Quo in Bayern: Das Urteil fällt wenig erfreulich aus. Das Bayerische Sozialministerium hat sich offensichtlich bisher nicht näher mit der Situation von Menschen mit ASS, besonders im Erwachsenenalter, auseinandergesetzt. Dies unterstreichen auch die Antworten auf die schriftlichen Anfragen Autismusforschung Autismuszentren von Isabell Zacharias.

„Das Thema muss in den Fokus der Politik“, betonte Isabell Zacharias. „Wir brauchen schnellstmöglich ein qualitativ hochwertiges und vor allem flächendeckendes Beratungs- und Therapieangebot für Menschen mit ASS!“

Grundlage für ein solches Angebot ist laut Dorothea Heiser „die staatliche Förderung einer interdisziplinären Autismusforschung, besonders im Bereich Bedarfs- und Versorgungsforschung für Bayern und eine Autismusstrategie, bei der das Wissenschaftsministerium und das Gesundheitsministerium zusätzlich zum Sozialministerium maßgeblich beteiligt sind.“ Mit ihrer Petition hatte sie 2008 bereits die Kompetenzzentren in Bayern auf den Weg gebracht. 2017 hat sie eine neue Petition gestartet, in der sie die Einrichtung eines Autismus-Lehrstuhls fordert.

Dr. med. Schilbach forscht bereits in diesem Bereich. In der Ambulanz und Tagklinik für Störungen der sozialen Interaktion, dessen Leiter er ist, besteht ein Behandlungsschwerpunkt für erwachsene Personen mit ASS. Er verwies auf die vielen Schwierigkeiten, mit denen sich Menschen mit ASS konfrontiert sehen: „Oft fehlen Akzeptanz und Toleranz im Umgang mit Betroffenen; dies führt häufig zu psychischen Erkrankungen. Auch die Integration in den Arbeitsmarkt stellt eine große Herausforderung dar. Die zuständigen Behörden und viele Arbeitgeber sind leider oft nicht ausreichend informiert“, merkte er an.

Andere Länder, vor allem Großbritannien und Schottland, sind hier wesentlich weiter. Die nun angekündigte Autismus-Strategie der Staatsregierung ist ein erster kleiner Schritt – ein sehr kleiner.

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