SPD-Fraktion will Pflegeheime besser auf queere Bewohner einstellen

14. November 2017

Abgeordnete Isabell Zacharias bringt entsprechenden Gesetzentwurf in den Bayerischen Landtag ein

Die SPD-Fraktion macht sich für die Bedürfnisse von schwulen, lesbischen und transgender Bewohnern in bayerischen Pflegeeinrichtungen stark. Die queerpolitische Sprecherin Isabell Zacharias brachte am Dienstag einen entsprechenden Gesetzentwurf ins Plenum des Bayerischen Landtags ein. "Bayern ist bunt, und das trifft auch auf die Altenpflege zu. Wir dulden keine Diskriminierung und Ausgrenzung von älteren Lesben, Schwulen und Transgendern. Wir wollen Respekt vor queeren Lebensläufen", erläutert Zacharias die Zielrichtung ihrer Initiative. Die Münchner Abgeordnete fordert, dass das Pflegepersonal in Sachen "Queer Care" aus- und weitergebildet und auch das Bayerische Pflege- und Wohnqualitätsgesetz entsprechend geändert wird.

Schwule Männer und lesbische Frauen wurden im größten Teil des 20. Jahrhunderts gesellschaftlich diskriminiert und staatlich drangsaliert. Zwischen 1949 und 1969 wurden 50.000 schwule Männer wegen 'gleichgeschlechtlicher Unzucht' zu Gefängnisstrafen verurteilt. Diese Menschenrechtsverletzungen auf Basis des §175 haben Spuren bei den Betroffenen hinterlassen. Schwule Männer, die heute 70 Jahre und älter sind, mussten in ihrer Jugend unter Umständen leben, die heute kaum mehr vorstellbar sind.

Zacharias betont: "Diese traumatischen Erlebnisse wirken bis heute nach. Angst vor Diskriminierung und Misstrauen gegenüber staatlichen oder öffentlichen Einrichtungen sitzen tief. Schwule Männer und lesbische Frauen in Pflegeheimen sind in einer besonders schwierigen Situation. Sie sind pflegebedürftig und damit in hohem Maß schutz- und wehrlos ihrer Umwelt ausgeliefert. Sie müssen damit rechnen, dass sie im Pflegeheim auf eben die Personen treffen, die sie in ihrer Jugend diskriminiert und drangsaliert haben. Sie können auch nicht sicher sein, dass die Pflegekräfte verstanden haben, was es bedeutet hat, unter dem § 175 zu leben. Mehrere Umfragen unter Betroffenen zeigen, dass die Einrichtungen der Altenhilfe zu wenig auf die spezielle Lebenssituation von Lesben und Schwulen eingehen."

Material: SPD-Gesetzentwurf queere Pflege

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