Abgeordetenbrief Juli 2015

Grenzen sind auch eine Frage des geistigen Horizonts. Wer Europa als Einheit sieht, grenzt seine Hochschulen nicht durch eigene Abschlüsse ab. Wer in Biologie Bescheid weiß, hält die Grenze zwischen männlich und weiblich nicht für gottgegeben. Visionäre Menschen haben vor 25 Jahren die innerdeutsche Grenze zu Fall gebracht. Aschaffenburg liegt kurz vor der hessischen Grenze - ein Besuch lohnt sich trotzdem. Meine Bewunderung für die bayerische Staatsregierung ist bekanntlich nicht grenzenlos, doch diesmal kann ich Erfreuliches berichten.

Ich wünsche Ihnen einen grenzenlos wunderbaren Sommer!

Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Marken-Abschluss
  • Ich bin anders - na und!?
  • Kunst und Wissenschaft in Aschaffenburg
  • Zur Feier der Einheit
  • Nachgehakt
  • Termine

Marken-Abschluss

Bayern über alles? So sehr ich den Kollegen Piazolo von den Freien Wählern schätze: Im Landtag sprach er kürzlich wie sonst nur die CSU. Bayerns Technische Hochschulen müssten das Diplom wieder einführen, um sich mit dieser einzigartigen Marke aus der Masse der überall gleichen Bachelorabschlüssen herauszuheben. 1999 haben wir in Bologna einen einheitlichen europäischen Hochschulraum beschlossen, mit einheitlichen Abschlüssen. Soll Bayern plötzlich ausscheren? Es stimmt, dass der Bachelor das frühere Diplom nicht ersetzt. Das tut der Master. Es stimmt, dass an den Hochschulen noch längst nicht alles rund läuft. Da müssen wir ran! Aber doch nicht, indem wir einen vor 16 Jahren abgeschafften Studienabschluss wieder einführen. Die Diskussion im Landtag können Sie auf Plenum online nachhören und im Protokollauszug nachlesen.

Ich bin anders - na und!?

So lange wir das biologische Geschlecht eines Menschen dazu benutzen, ihm seine soziale Rolle zu verordnen, haben es alle schwer, den gängigen Erwartungen nicht zu entsprechen. Beim Fachgespräch der SPD-Landtagsfraktion zur Homosexualität Jugendlicher im Sub München wurde deutlich, wieviel da noch zu tun ist. Weil Erwachsene, also auch Eltern, sich mit dem Thema schwer tun, setze ich auf die Schule. Der Umgang mit Homophobie gehört in die Lehrerbildung. Wir brauchen eine Landeskoordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transgender sowie öffentlich geförderte Beratungsangebote. München ist hier Vorbild, doch selbst Münchner Schulen müssen für das Thema erst noch sensibilisiert werden. Dabei könnte das bundesweite Antidiskriminierungsprojekt „Schule der Vielfalt - Schule ohne Homophobie“ helfen. Mehr im Bericht auf meiner Website.

Kultur und Wissenschaft in Aschaffenburg

Der Arbeitskreis Wissenschaft und Kunst der SPD-Landtagsfraktion war zur Erweiterung des eigenen kulturellen und wissenschaftlichen Horizonts zwei Tage lang in Aschaffenburg. Bei so viel Kultur - KirchnerHAUS und Stiftsbasilika, Kunsthalle Jesuitenkirche, Schloss Johannisburg und Museumsquartier - ist es schade, dass so wenig Geld aus dem bayerischen Kulturfonds nach Unterfranken fließt. Hier fehlt den Kultureinrichtungen offenbar sachkundige Unterstützung beim Verfertigen von Anträgen. An der Hochschule Aschaffenburg, die sich Internationalität auf die Fahnen geschrieben und ein innovatives Zentrum für wissenschaftliche Services und Transfer (ZeWis) eingerichtet hat, ist ebenfalls nicht alles in Butter. Für die Betreuung ausländischer Studierender fehlen Geld und Personal, und die Förderung des ZeWis läuft im Juni 2016 aus. Noch ist offen, wie es dann weitergeht.

Zur Feier der Einheit

Am 29. September 2015, 11:30 – 18:30 Uhr, feiern wir im Maximilianeum „25 Jahre Deutsche Einheit“. Mit dabei: die Bürgerrechtlerin Freya Klier, die Publizistin Gabriele Krone-Schmalz, die Politiker Rudolf Seiters, Markus Meckel und Michail Gorbatschow (hoffentlich sagt er zu!), der Kabarettist Helmut Schleich, der Karikaturist Dieter Hanitzsch und Peter Maffay. Es ist ein Bürgerfest, und ich darf zwei von Ihnen (jeweils mit Begleitung) einladen. Es gilt das Windhundprinzip: Wer sich zuerst meldet, ist dabei.

Nachgehakt

Wer an einer anderen Hochschule weiterstudieren will, braucht ein transcript of records. Es enthält Noten, ECTS-Punkte und eine Liste der Lehrveranstaltungen, die man besucht hat. An der Uni Bamberg dürfen angehende Geistes- und Humanwissenschaftler auch bei Veranstaltungen ohne Anwesenheitspflicht nicht öfter als dreimal gefehlt haben, sonst wird die Veranstaltung nicht ins transcript of records aufgenommen. Ich habe die Staatsregierung gefragt, ob das rechtens sei. Ist es nicht. „Die Universität Bamberg wird daher rechtsaufsichtlich aufgefordert werden, diese Praxis zu beenden.“, schrieb die Staatsregierung. Gut so!

Termine

  • Mittwoch, 15. Juli, 18:30 Uhr, SPD-Bürgerbüro, Belgradstr. 15a, München, Politik-Talk „3 Frauen 3 Standpunkte“ Thema: Linker Straßenprotest
  • Donnerstag, 23. Juli, 19:30 Uhr, IG Karlstr. 50 Rgb., München, Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge in München
  • Dienstag, 28. Juli, 18 Uhr, Maximilianeum, München, Talk im Max: Kultur ohne Handicap

79. Ausgabe des Monatsbriefs