Abgeordnetenbrief April 2014

Ein Kessel Buntes. So hieß eine Unterhaltungssendung im DDR-Fernsehen, die fast 21 Jahre lief. Es gab dort von allem etwas, und so ist das auch in diesem Monatsbrief. Es geht um problematischen und rundherum unumstrittenen Lesestoff, um Besuche in Kita und Landtag und nicht zuletzt um die vertraute Erkenntnis, dass nicht immer alle auf einer Wellenlänge liegen, weder bei der Finanzierung der Bildung noch bei der Musik.

Frühlingsbunte Grüße von Ihrer Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Das Schandwerk
  • Domino und der Floh
  • Mädchen im Parlament
  • Die Airport-Hopser
  • DAB oder UKW?
  • Nachgehakt
  • Termine

Das Schandwerk

Die Fakten sind bekannt: Hitlers „Mein Kampf“ ist ab 2016 auf dem freien Markt. Der Landtag hatte dem Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) für eine kritisch-historische Ausgabe 500.000 Euro bewilligt, doch die Staatsregierung stieg Ende 2013 aus dem Projekt aus. Sie hat den Publizisten Hermann Glaser auf ihrer Seite, der meint, man dürfe das Schandwerk nicht durch eine Staatsedition aufwerten. Andreas Wirsching vom IfZ hält eine Ausgabe mit umfangreichen Hintergrundinformationen nach wie vor für richtig - eine Sichtweise, die ich teile. Ich durfte das Gespräch der beiden Experten im Landtag moderieren.

Domino und der Floh

„Flohkiste“ und „Floh“ kennt jedes Kind, das an einer deutschen Schule lesen gelernt hat. Es sind die ältesten Jugendzeitschriften der Welt, entstanden aus der 1875 gegründeten „Jugendlust“. Sie erscheinen im Dominoverlag, der kürzlich seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Glückwunsch! Zum Jubiläumsband „Sind wir noch zu retten?“ habe ich den Text „Ist die Erziehung in der Familie noch zu retten?“ beigesteuert. Ich meine, die Erziehung ist zu retten - wenn der Staat die Familien unterstützt. Zum Beispiel mit Projekten wie ELFE.

Mädchen im Parlament

Nach wie vor sind zu wenige Frauen in politischen Spitzenämtern. Das Mädchenparlament soll Mädchen Lust auf Politik machen. 160 Schülerinnen der 9. und 10. Klasse aus ganz Bayern diskutierten im Landtag, betreut von (weiblichen) SPD-Abgeordneten, über Windkraft und Schönheitsoperationen, über das Wahlrecht mit 16 und das G8. Solche Debatten stimmen mich optimistisch. Diese klugen jungen Frauen überlassen die Politik später bestimmt nicht alten Männern, sondern werden selbst aktiv.

Die Airport-Hopser

Flughafen ist mehr als Startbahn. Flughafen ist auch Arbeitsplatz und: Kindertagesstätte. In der Kita „Airport-Hopser“ am Münchner Flughafen - Träger ist das bayerische Rote Kreuz - werden Kinder von acht Wochen bis zu vier Jahren an 360 Tagen im Jahr von 6 bis 21 Uhr betreut. Für den Betreuungsnotfall gibt es außerdem das Ad-hoc-Telefon. Kein Wunder, dass die vier Gruppen immer ausgebucht sind. Das pädagogische Konzept hat mich überzeugt.

DAB oder UKW?

BR-Klassik und das Jugendradio PULS sollen im Jahr 2016 den Sendeplatz tauschen. Die klassische Musik zieht um ins Digitalradio (DAB), der Jugendsender auf die UKW-Frequenz. Klassikfreunden gefällt das nicht. Sie haben eine Petition für UKW-Klassik in Umlauf gebracht. Dem bayerischen Popverband gefällt wiederum diese Petition nicht, er hält mit einer Petition für PULS auf UKW dagegen. Beide haben nachvollziehbare Argumente. Ich liebe klassische Musik, und doch: Beim BR läuft auf allen fünf UKW-Frequenzen nur Erwachsenenprogramm. Hier muss dringend etwas für die Jugend getan werden! Es ist absurd: Ausgerechnet bei der Musik spielt man Jugendliche und Erwachsene gegeneinander aus. Ginge es mit der Digitalisierung des Rundfunks endlich voran, hätten wir dieses ganze Theater nicht.

Nachgehakt

Im Jahr 2004 hat man die Lehrverpflichtung des Hochschulpersonals um eine Stunde erhöht. In den Jahren 2012 und 2013 sollte diese Erhöhung zurückgenommen werden. Von der Staatsregierung wollte ich wissen, ob und wie das geschehen ist. Die Antwort: Professoren an Fachhochschulen stehen nun wieder 18 statt 19 Stunden vor den Studierenden. An den Universitäten „war hingegen die Reduzierung der Lehrverpflichtung … um eine Stunde nicht kapazitätsneutral möglich“. Es ist zwar von einem „Budget zur Ermäßigung der Lehrverpflichtung in dem Umfang der neu ausgebrachten Stellen“ die Rede, aber das ist so vage, dass an den Unis wohl erst einmal alles beim Alten bleibt. Hier fehlt ganz eindeutig Geld, wie Sie in meiner Pressemitteilung lesen können.

Termine

  • Montag bis Dienstag, 28.-29.4.14, Düsseldorf, Konferenz der Sprecherinnen und Sprecher für Hoch-schule, Wissenschaft und Forschung
  • Mittwoch, 1.5.14, ab 9:30 Uhr, München, Demonstration, Kundgebung, Familienfest und open air-Konzerte unter dem Motto "Gute Arbeit. Soziales Europa"!

65. Ausgabe des Monatsbriefs