Abgeordnetenbrief April 2018

Isabell Zacharias, MdL

Heimat ist da wo man sich aufhängt, schrieb der in Augsburg lebende Franz Dobler in „Bierherz“. Das war 1994. Heute haben wir ein Heimatministerium in Berlin. In Bayern heimattümelt es natürlich am heftigsten, erst kürzlich im Landtag. Ein Glück, dass der Horizont der bayerischen Jugend über Passau und Aschaffenburg hinausreicht und Kitakinder bei der AWO auch irische Bräuche kennen lernen. Jeden Kopf durchlüftet es, Grenzen zu überwinden. Mit realen Hindernissen ist das nicht so einfach. Wer im Sommer von Freising nach München will, im Herbst ein besonderes Kind einzuschulen hat oder alleinerziehend ist, kann davon ein Liedchen singen.

Inhalt:

  • Heimat Europa
  • Der lange Weg zur Schule
  • Götterspeise in der Kita
  • Zwischen München und Freising
  • Ein Tag für MaPa Solo
  • Unterstützenswert: das Gasthaus Domagk
  • Termine

Heimat Europa

„Jung sein in Bayern – fit für Europa“ heißt ein EU-Projekt, mit dem die Jugend bei der nächsten Europawahl an die Urnen gelockt werden soll. Seit Wochen diskutieren auch in München junge Leute zwischen 14 und 24 mit Politikern jeder Couleur, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Sie haben eine Menge Ideen. Prima Ideen, das muss man ihnen lassen. Von mangelndem Interesse an Politik kann wirklich keine Rede sein. Besonders gut gefällt mir der Vorschlag eines Schulfachs „Europa“. Dort lernen sie bestimmt auch, wie man aus einem Heimatministerium ein Europaministerium macht.

Der lange Weg zur Schule

Seit 2011 ist Bayern ein Land der Inklusion, auch in der Bildung. Das glauben Sie nicht? Dann suchen Sie sicher noch eine Schule für Ihren angehenden Erstklässler. Eine Schule, in die auch die Nachbarskinder gehen und in der jedes Kind etwas lernt. Theoretisch ist das die Sprengelschule. „Selbstverständlich nehmen wir Ihren Sohn“, sagt der Schulleiter in der Praxis. „Aber er wäre hier das einzige Downkind, und sachkundige Lehrer haben wir auch nicht.“ Damit ist der Schwarze Peter bei Ihnen. Wer schickt sein Kind schon sehenden Auges in eine Schule, die es nicht fördern kann, weil sämtliche Mittel nach wie vor in Förderschulen fließen? Auch für meinen Sohn Theo wird es wohl noch ein langer Weg bis zur Schule.

Götterspeise in der Kita

Die CSU-Fraktion will die christliche Tradition bewahren, die Freien Wähler wollen sie leben. Am 20. März fiel beiden ein, dass man das nahende Osterfest retten müsse. Wovor? Vor irischen Saufgelagen im AWO-Kindergarten, wenn wir den Anlass richtig verstanden haben (siehe den SZ-Bericht zur Götterspeise). Über zwei vorösterliche Dringlichkeitsanträge musste das Plenum deshalb beschließen. Den eigenen Antrag nahm die CSU natürlich an - Ostern bleibt bayerisch. Den Antrag der Freien Wähler, die neben christlich-jüdisch-abendländischer Kultur Toleranz gegenüber anderen Kulturen gefordert hatten, lehnte sie ab. Toleranz geht ihr offenbar zu weit. Warum es keinen SPD-Antrag gab? Wir waren mit dem Kopfschütteln noch nicht fertig. Manchmal ist es besser, nicht sofort in Aktivitäten auszubrechen. Es bewahrt einen davor, sich lächerlich zu machen.

Zwischen München und Freising

Die Bahnstrecke zwischen München und Freising wird saniert, die A92 ebenfalls. Die Straßenbaustellen dauern bis November. Immerhin sollen in jeder Fahrtrichtung stets zwei Spuren benutzbar sein. Das schrieb mir kurz vor dem Umbau des bayerischen Kabinetts der damals noch für den Verkehr zuständige Innenminister Joachim Herrmann. Ob das den vielen Pendlern genügt, die auf die Straße ausweichen müssen, wenn die Bahn in den Sommerferien sechs Wochen lang gesperrt ist? Das kann ich mir kaum vorstellen. Flugtaxis, wie die neue CSU-Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt sie gerne hätte, wird es bis dahin nicht geben, und dass alle mit dem Rad fahren oder Urlaub nehmen, ist auch nicht zu erwarten. Hat jemand eine Idee?

Ein Tag für MaPaSolo

Nein, ich leide nicht am Aküfi, also am Abkürzungsfimmel. „MaPaSolo – die Welt der Alleinerziehenden“ heißt der Film, den wir Ihnen am 10. Mai im Landtag zeigen möchten, als Einstieg in den SPD-Fachtag für Alleinerziehende. Das Programm beginnt um 10 Uhr mit dem Film und dauert mit Vorträgen und Diskussionen bis etwa halb drei. Wir brauchen Sie, denn wir möchten von Ihnen wissen, was Alleinerziehenden unter den Nägeln brennt. Ich lade Sie ganz herzlich ein!

Unterstützenswert: das Gasthaus Domagk

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass mir eines Tages ein Gasthaus gehört. Also ein bisschen wenigstens. Ich bin eines von über 100 Genossenschaftsmitgliedern des Gasthaus Domagk. Das ist ein Ort für alle Anwohner des “Domagkpark” und der “Parkstadt Schwabing”, wo täglich biologisch und mit regionalen Zutaten gekocht wird. Auch vegan und vegetarisch, mittags schnell und abends mit 4-Gänge-Menü. Die Genossenschaft verkauft noch Anteile – überlegen Sie sich’s! So ein Gasthaus kann ja ein Stück Heimat sein.

Termine

112. Ausgabe des Monatsbriefs