Abgeordnetenbrief August 2016

Bis alle zu ihrem Recht kommen, kann es dauern. Gehörlose mussten über 100 Jahre auf eine eigene Sprache warten. In der Medienbranche ist Gleichberechtigung eine ziemlich neue Idee, bei der sexuellen Orientierung ist noch viel zu tun, und die SPD in Bayern … nun ja. Immerhin gibt es endlich ein klares Bekenntnis zum Völkermord in Armenien. Und schließlich können Sie unbekannte Musiker für den Rockpreis vorschlagen und ihnen damit eine Chance geben.

Einen schönen Restsommer wünscht

Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Mit Gebärdensprache zur Inklusion
  • Der weiße Oscar
  • Anderssein im Pflegeheim
  • Ist Opposition nur Mist?
  • Armenien im Bayerischen Landtag
  • Nachgefragt
  • Termine

Mit Gebärdensprache zur Inklusion

Die Hochschule Landshut ist eine von gerade einmal sieben deutschen Hochschulen und Instituten, die Gebärdensprachdolmetscher ausbilden. Nachdem Gebärdensprache über 100 Jahre lang nicht benutzt werden durfte, wurde sie in Deutschland Anfang der 90er Jahre endlich als vollwertige Sprache anerkannt, und seit 2002 haben Hörbehinderte ein Recht auf einen Dolmetscher. Die Berufsaussichten sind prima. Zusammen mit meiner Landtagskollegin Ruth Müller habe ich mich an der HAW Landshut über den Studiengang informiert. Eines habe ich allerdings zu fragen vergessen: ob man mit Gebärdensprache auch gendern kann.

Der weiße Oscar

Werden mit dem Oscar wirklich die besten Schauspieler ausgezeichnet oder doch bloß wieder weiße Männer? Die Oscarverleihung 2016 führte zu derart heftigen Protesten, dass die Akademie, die den Oscar verleiht, reagiert hat: Bis 2020 soll der Anteil von Frauen und Minderheiten in diesem Gremium verdoppelt werden. Wie es bei uns mit der Vielfalt in der Medienbranche aussieht, habe ich beim Münchner Filmfest mit Fachleuten diskutiert. Kurz gefasst: Bei uns sieht es genauso aus. Christliche weiße Männer dominieren. Es geht aber auch anders, wie der WDR zeigt. Integration ist hier seit 13 Jahren eine Querschnittsaufgabe.

Anderssein im Pflegeheim

In Heimen sind pflegebedürftige Lesben und Schwule in einer besonders schwierigen Situation. Wenn sie ihre sexuelle Orientierung nicht verstecken, droht ihnen Ausgrenzung bis hin zum Mobbing. Entweder verstecken sie sich weiterhin, wie sie das womöglich schon ein Leben lang getan haben. Oder sie treffen auf homophobe Mitbewohner, auch auf Menschen, die früher aggressiv gegen Homosexuelle vorgegangen sind, und müssen sich plötzlich wieder verstecken. Für dieses Problem muss das Personal in Alten- und Pflegeheimen sensibilisiert werden. Mehr dazu in unserem Papier zur Queerpolitik.

Ist Opposition nur Mist?

Das Thema fürs nächste Mal legt immer das Publikum fest. In der vierten Ausgabe der Gesprächsreihe „3 Frauen - 3 Standpunkte“ sollten wir diskutieren, wie sich Politik anfühlt, wenn man auf der Oppositionsbank sitzt. Wollen Politikerinnen um jeden Preis regieren? Zu welchen Zugeständnissen sind sie dafür eventuell bereit? Fazit: Politisch gestalten zu können, ist zwar verlockend, aber ganz sicher nicht um jeden Preis. Schließlich ist auch die Kontrolle der Regierung keine Nebensache.

Armenien im Bayerischen Landtag

Der Bayerischen Landtag erklärt sich solidarisch mit den Bundestagsabgeordneten, die wegen ihrer Haltung zum Völkermord in Armenien bedroht werden. In seiner einstimmig verabschiedeten Resolution fordert er türkische Organisationen in Deutschland auf, sich ebenso zu positionieren. Auch wenn es hier um die Meinungsfreiheit der Bundestagsabgeordneten geht, gehe ich davon aus, dass die anderen Landtagsabgeordneten es sehen wie ich: Die Armenienresolution des Bundestags war richtig.

Nachgefragt

Heute sind Sie gefragt. Haben Sie einen Vorschlag für den „Bayerischen Rockpreis PICK UP 2016“ und den „Sonderpreis Rockmusik in Schule und Gesellschaft Bayerns“? Dann melden Sie ihn bitte bis spätestens 16. September. Näheres auf der Website des Verbands für Popkultur in Bayern.

Termine

  • Montag, 29.8.2016, 17 Uhr, Nachbarschaftstreff Parkstadt Schwabing, Ortsbegehung
  • 2.-4.9.2016 Isarinselfest rund um die Isar, Steinsdorfstraße

92. Ausgabe des Monatsbriefs