Abgeordnetenbrief Januar 2016

Wer anders ist als die Mehrheit, hat es nicht leicht. Im Dritten Reich war Anderssein lebensgefährlich. In Hitlers Nachlass dürfen wir jetzt offiziell nachlesen, warum. Heute ist Anderssein einfacher, auch wenn von Gleichberechtigung noch längst nicht überall die Rede sein kann: nicht für Studenten mit Behinderung, nicht für Menschen aus anderen Ländern, nicht einmal für seltene Tiere. Das ist meist kein böser Wille, eher fehlende Sensibilität. Gut, dass wieder ein Preis den Blick junger Dokumentarfilmer bewusst auf alles lenkt, was anders ist.

Einen guten Start ins Jahr 2016 wünscht Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Endlich auf dem Tisch
  • Inklusive Hochschule
  • Das Andere sehen
  • Tierschutz light
  • Nachgehakt
  • Termine

Endlich auf dem Tisch

Jahrzehntelang war Hitlers „Mein Kampf“ nur unter dem Ladentisch oder im Ausland zu haben. Der bayerische Staat fürchtete, Menschen würden beim Lesen automatisch zu Nazis. Dabei schafft man es in Deutschland nachweislich problemlos, ohne dieses Buch rechtsradikal zu werden. Selbst die kritisch kommentierte Edition, die der Landtag 2013 noch befürwortet hatte, sieht die Staatsregierung mit Misstrauen. Nach anfänglicher Unterstützung lehnte sie das Projekt ab. Das Münchner Institut für Zeitgeschichte hat die 2000 Seiten dann ohne staatlichen Segen herausgegeben, was ich ausdrücklich begrüße. Am 8. Januar lag die erste Auflage in den Buchhandlungen - und war noch am selben Tag ausverkauft.

Inklusive Hochschule

Inklusion an der Hochschule bedeutet: die Hochschulen so ausstatten, dass Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung dort genauso studieren oder arbeiten können wie alle anderen. Beim Treffen mit den Behindertenbeauftragten der bayerischen Hochschulen ging es ums Studieren. Die Behindertenbeauftragten wünschen sich mehr Mitspracherechte, am besten in der Hochschulleitung und im Hochschulrat. Und sie wünschen sich Beratungsstellen wie zum Beispiel das KIS in Würzburg und eine behindertengerechte Infrastruktur. Forderungen, denen sich die SPD-Landtagsfraktion aus Überzeugung anschließt.

Das Andere sehen

Erneut werden die besten Dokumentarfilme zum Thema „Anderssein“ prämiert. Bis zum 10. März können junge Leute (14-24 Jahre) einen Film einreichen, und zwar „Erzählungen zu allem, was anders ist als das Eigene. Menschen, Erlebnisse, Beobachtungen, Traditionen, Routinen – erlaubt ist die gesamte Vielfalt an Perspektiven“, wie es in der Ausschreibung heißt. Genau wie 2015 gibt es Workshops, in denen sich die angehenden Filmemacher das nötige Rüstzeug holen können. Die Preise, die wieder die Landtagsfraktion stiftet, verleihe ich am 13. Mai.

Tierschutz light

Als Zamperl hätten sie in München das schönste Leben. Aber als Schlange? Als Echse? Als Schildkröte? Im März habe ich Dr. Baur noch versichert, dass die Landtags-SPD sich für seine Reptilienauffangstation stark machen würde. Anfang Dezember war klar, dass diese Unterstützung dringender ist als gedacht. Dem Verein droht die Insolvenz. Die CSU will die Mittel plötzlich „eindampfen“. Der Nachtragshaushalt für 2016 enthält folgerichtig keinen Cent für die Reptilienauffangstation. Mein Kollege Herbert Woerlein hat in einer Pressemitteilung formuliert, was er davon hält. Recht hat er!

Nachgehakt

Welche Rolle spielt es, aus welchem Land ich komme? Gibt es womöglich „gute“ und „schlechte“ Herkunftsländer? Was brauche ich, um dazuzugehören? Werde ich diskriminiert? Wie kann ich mich beteiligen? Fragen, die beim Jugendparlamentstag „Ziemlich beste Heimat!?“ intensiv diskutiert wurden. Mit vorgefertigten Antworten gaben sich die Jugendlichen nicht zufrieden. Diese Art von Nachhaken kann anstrengend und unbequem sein, aber sie ist wichtig und richtig. Danke an alle, die mitgemacht haben!

Termine

  • Freitag, 15.1.16, 19:00 Uhr, Gasthof Bayrischer Löwe, Vorstadt 10, Osterhofen, AfB Niederbayern, Bezirkskonferenz
  • Montag, 18.1.16, 19:00 Uhr, Sparkassensaal Fürstenfeld 12, Fürstenfeldbruck, Kulturempfang
  • Mittwoch, 27.1.16, 19:30 Uhr, TamS-Theater, Haimhauserstr. 13, München, "Flüchtlingsintegration - Eine Frage der Bildung" - Podiumsdiskussion mit Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle MdL und Isabell Zacharias MdL
  • Donnerstag, 4.2.16, 18:30 Uhr, Wahlkreisbüro Gohlke, Siegesstr, 15, München, 3 Frauen 3 Standpunkte, Politiktalk

85. Ausgabe des Monatsbriefs