Abgeordnetenbrief März 2017

Gleichberechtigung haben wir erst, wenn völlig unfähige Frauen auf verantwortungsvollen Posten sitzen, sagte die italienische Frauenrechtlerin Agata Cappiello einmal. Der nächste Bundespräsident ist wieder ein Mann. Auch ich habe ihm natürlich meine Stimme gegeben. Frauen standen ja nicht zur Wahl, nicht einmal fähige. Emanzipationstechnisch ist also noch Luft nach oben. Deshalb wird dieser Brief ein Frauenbrief, passend zum Frauenmonat März. Hiergeblieben, meine Herren! Lesen Sie weiter - und sei es nur auf der Suche nach der unfähigen Frau.

Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Frauen auf die Lehrstühle!
  • Das falsche Geschlecht
  • Mehr Geld für Frauenhäuser
  • Politik beim Frühstück
  • Nachgehakt
  • Termine

Frauen auf die Lehrstühle!

Wenn wir „so weiterwurschteln“, dauert es noch 84 Jahre. 84 Jahre, bis Führungspositionen gerecht auf Frauen und Männer verteilt sind. Das sagt Genderforscherin Hildegard Macha von der Uni Augsburg und erklärt im Gespräch mit der Bayerischen Staatszeitung, warum Frauen scheitern: weil sie glauben, für Karrierehindernisse selbst verantwortlich zu sein. In Bayern bricht immer noch die Hälfte der Frauen, die für eine Professur geeignet wären, die wissenschaftliche Laufbahn ab. Ihnen fehlt politische und strukturelle Unterstützung. Zur Frauenförderung an Hochschulen fordern wir deshalb in fünf Anträgen: eine Gleichstellungstrategie, verbindliche Gleichstellungsziele, einen regelmäßigen Genderbericht, die Verankerung der Gleichstellung im Hochschulgesetz und eine bessere Ausstattung der Frauenbeauftragten.

Das falsche Geschlecht

Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Es passiert trotzdem, womöglich auch bei den Noten im Studium. Das lässt eine Studie vermuten, die die Benotung in Jura-Klausuren und beim ersten juristischen Staatexamen untersucht hat. Frauen mit gleich gutem Abitur schneiden an der Uni deutlich schlechter ab als Männer (S. 17 ff), und besonders schlecht in der mündlichen Prüfung. Auch Migranten haben im Mündlichen schlechtere Noten. Was die SPD-Fraktion schon 2015 beantragt hat, hat der Wissenschaftsausschuss nun fraktionsübergreifend beschlossen: Die Hochschulen sollen das Problem untersuchen und gerechtere Bewertungssysteme vorschlagen.

Mehr Geld für Frauenhäuser

Das Frauenhaus ist die letzte Rettung - wenn dort Platz ist. Jedes Jahr müssen die 40 bayerischen Frauenhäuser 5000 Frauen abweisen. Frauen, die mit ihren Kindern Schutz suchen vor dem gewalttätigen Partner und Vater. Den SPD-Antrag, mehr Geld für Frauenhäuser in den Haushaltsentwurf zu schreiben, hat die CSU abgelehnt. Wir haben inzwischen alle Kommunen und Landkreise gefragt, ob und wie sie in ihren Frauenhäusern mehr Plätze schaffen. Die Frauen der SPD-Landtagsfraktion sehen sich außerdem die Häuser selbst an. Ich war in Freising. Dort wäre ein weiteres Gebäude sinnvoll, denn auch in Freising reicht der Platz vorne und hinten nicht.

Politik beim Frühstück

Lohnlücke 21 Prozent, Rentenlücke 47 Prozent - obwohl formal gleichgestellt, sind Frauen finanziell deutlich schlechter dran als Männer. Was nützt einer Frau beste Ausbildung, wenn sie nach dem ersten Kind Teilzeit arbeitet oder ganz zu Hause bleibt, wo das abgeschlossene Lateinstudium allenfalls die Unterstützung bei den Hausaufgaben ein wenig erleichtert? Wie können wir Familie und Beruf so ge-stalten, dass niemand zu kurz kommt? Das haben wir beim Frauenfrühstück am 8. März im Landtag diskutiert.

Nachgehakt

Chancengleichheit in der Wissenschaft findet selbstverständlich auch die CSU gut. Die fünf SPD-Anträge zur Frauenförderung an Hochschulen hat sie trotzdem abgelehnt. Warum? Hochschulen seien autonom, man dürfe ihnen nichts vorschreiben. Und auf unsere Forderung, Hochschulgremien mit 50 Prozent Frauen zu besetzen, hieß es, Frauenquoten seien falsch, weil es in der Wissenschaft um Exzellenz gehe. Als ob Quote und Qualität einander widersprächen! Manchmal wünsche ich mir eine Min-destquote für Sachkenntnis, die eine Partei nachweisen muss, wenn sie Anträge ablehnen möchte. Die Debatte gibt es zum Nachlesen im [Plenarprotokoll](https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP17/Protokolle/17 Wahlperiode Kopie/17 WP Plenum Kopie/093 PL 240117 ges endg Kopie.pdf) (ab S. 50).

Termine

99. Ausgabe des Monatsbriefs