Abgeordnetenbrief September 2015

Dieser Brief fasst, passend zum Schulbeginn nächste Woche, ein halbes Jahr Bildungsgespräche zusammen. Im Januar hatte ich alle Schwabinger und Freisinger Schulen gefragt, ob ich in den Unterricht kommen darf, um die Arbeit einer Abgeordneten zu erläutern. Zunächst war das Interesse verhalten. Beim Nachhaken kam dann doch eine ganze Reihe von Terminen zustande, und einige sind für den Herbst noch geplant. Aber lesen Sie selbst.

Ihre Isabell Zacharias

Inhalt:

  • Eine Abgeordnete im Unterricht
  • Wer ist hier politikverdrossen?
  • Ein Brief an den Bürgermeister
  • Zwischen Schulpolitik und Weltpolitik
  • Kaum Platz für Kunst
  • Fazit
  • Termine

Eine Abgeordnete im Unterricht

Der Einstieg war schwierig. 60 Schulen habe ich angeschrieben, 25 haben geantwortet, die meisten erst nach dem zweiten Anklopfen. Nicht, dass ich für die Probleme der Schulen kein Verständnis hätte: kaum Zeit, gedrängter Lehrplan, viele andere Projekte … Mancher Schulleiter ließ ausrichten, er könne nicht nur Vertreter einer einzigen politischen Partei einladen - wegen der vorgeschriebenen politischen Neutralität. Das hat mich dann doch verblüfft. Bis zur nächsten Wahl ist es noch so weit hin, dass nicht einmal das sonst so strenge Kultusministerium Bedenken hätte. Die Schulen, die mich eingeladen haben, fanden die Begegnung ebenso bereichernd wie ich.

Wer ist hier politikverdrossen?

Ich kenne viele bemerkenswert engagierte Jugendliche. Ist „die“ Jugend wirklich so politikverdrossen, wie immer behauptet wird? Sie hat sicher wenig Lust auf Parteisitzungen und Satzungsdiskussionen, und ich wäre die Letzte, die das nicht verstünde. Aber Politik ist schließlich nicht nur Parteipolitik. Politik heißt, das Zusammenleben zu gestalten. Wenn Kinder und Jugendliche in ihrem Umfeld mitbestimmen, handeln sie politisch. Mitbestimmen wollen sie, das hat sich gezeigt. Ob sie später bereit sind, die Mitbestimmung zu delegieren, ob sie also wählen gehen, muss sich zeigen. Vielleicht gehen sie ja lieber selber in die Politik.

Ein Brief an den Bürgermeister

"Ich dachte immer, Politiker sind so ernst. Aber das stimmt nicht", meinte eine Viertklässlerin beim Abschied. Das erste Ziel ist also erreicht: beweisen, dass Politiker auch Menschen sind. Eine Doppelstunde reichte kaum für die vielen Fragen der Grundschulkinder. Am wichtigsten war ihnen ihr Pausenhof, doch sie wollten auch etwas über den Sinn von Waffen, die Griechenlandkrise und den Umgang mit Flüchtlingen wissen. Und sie fragten, was sie selber tun können. Ich empfahl ihnen, beim Kinderforum mitzumachen oder dem Oberbürgermeister einen Brief zu schreiben.

Zwischen Schulpolitik und Weltpolitik

Bei den älteren Schülern gab es zum Teil hitzige Diskussionen: über Waffenlieferungen an die Rebellen in Syrien, den Ukrainekonflikt, die Flüchtlingsrettungsaktion „Mare nostrum“ und Legalisierung von Cannabis. Ich nahm an einer Podiumsdiskussion zu Islam und Demokratie teil und sprach mit Förderschülern über ihre Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt. Thema waren auch Ganztagsschule und Inklusion, Lehrermangel und sanierungsbedürftige Schulhäuser. Und der Unterrichtsbeginn - stets war eine überwältigende Mehrheit für 9 Uhr. Ob das etwas brächte, ob also die Schulaufgaben besser ausfielen, wenn sie nicht im Halbschlaf geschrieben würden, müsste man einfach mal ausprobieren.

Kaum Platz für Kunst

Die Berufsfachschulen (BSF) haben mich beeindruckt, insbesondere das Flüchtlingsprojekt der BSF Sozialpflege. An der BSF für Holzbildhauer gibt es jede Menge Kreativität, doch leider auch ungeeignete Räume und zu wenig Platz für Ausstellungen. Über meinen Besuch am Wissenschaftszentrum Weihenstephan habe ich schon im Augustbrief berichtet, wobei ich mit den Studierenden nicht nur über zögerlich bearbeitete Baföganträge sprach, sondern auch über ihre Wohnsituation und die Beleuchtung der Fahrradwege.

Fazit

Ich habe bei den Gesprächen wie immer eine Menge gelernt und viele Anregungen mitgenommen. Es ergab sich auch Konkretes: Einen Antrag zum Bafög habe ich bereits gestellt, Grundschüler haben mich im Landtag besucht. Ein Schüler hat ein Praktikum in meinem Landtagsbüro gemacht, hier sein Bericht. Ich übernehme die Schirmherrschaft für eine Flüchtlingsklasse in der Berufsfachschule für Sozialpflege, und die Schülerinnen der Berufsfachschule für das Holzbildhauerhandwerk wollen einen Pokal für den Dokumentarfilmpreis (siehe Preisverleihung 2015) anfertigen.

Termine

  • Sonntag, 13.9.15, 12-14 Uhr, Corso Leopold, SPD-Stand, Gespräche mit BürgerInnen
  • Sonntag, 20.9.15, 10:30 Uhr, KuK-Filmtheater, Schweinfurth, Kulturempfang
  • Samstag, 26.9.15, 15 Uhr, Mühlbachgärtnerei Moosburg, Kulturempfang
  • Samstag, 3.10.15, 11 Uhr, Bayerischer Landtag, Talk im Max: „Flucht in eine neue Heimat“ am Tag der deutschen Einheit

81. Ausgabe des Monatsbriefs